Juniorenseminar 2014

Georgien, Syrien, Ukraine: Anfänge eines neuen Kalten Krieges?

24. bis 26. Oktober 2014
Theodor-Heuss-Akademie, Gummersbach

01_1Mit dem Ausbruch der Krim-Krise im Frühjahr 2014 treten die Beziehungen des Westens zu Russland in eine neue Phase ein. Folgte auf den Zusammenbruch des Sowjetimperiums eine Phase der Annäherung Russlands an den Westen, so droht beiden Blöcken nun eine neue Eiszeit. Was einige Kassandrarufer vor ein paar Jahren bereits vorhergesagt hatten, scheint nun Schlag auf Schlag Realität zu werden: Ein neuer Kalter Krieg ist im Gange. Doch ist diese Einschätzung überhaupt zutreffend oder lassen wir uns von den Ereignissen in der östlichen Peripherie der Europäischen Union blenden? Und wenn ein neuer Kalter Krieg droht: Inwieweit lässt sich dieser noch abwenden? Wie sollten die Europäer auf diese neue sicherheitspolitische Herausforderung in ihrem unmittelbaren geostrategischen Umfeld reagieren?

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Der 2. Deutsch-französische Sicherheitsdialog soll jungen Deutschen und Franzosen erneut Gelegenheit bieten, sich über die europäische Außen- und Sicherheitspolitik auszutauschen.

Programm und Bibliographie09

Einladung und Programm – 2. Juniorenseminar 2014

Bibliographie 2014

Teilnehmerbericht

Die Ukraine-Krise im Jahr 2014 hat im Gefüge der für Europa sicherheitspolitisch relevanten Themenbereiche neue Fragestellungen aufgeworfen und das als stabil wahrgenommene Gefüge europäischer Staaten in Gefahr gebracht. 06Einen Raum, um sich gezielt über durch die Krim-Krise aufgeworfene Fragen für eine Europäische Außen- und Sicherheitspolitik auszutauschen, bot der vom 24.10.2014 bis 26.10.2014 in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach stattfindende 2. Deutsch-französische Sicherheitsdialog. Gefüllt wurde besagter Raum von jungen Europäern aus Frankreich und Deutschland. Diese teilten das Interesse, Risiken und Gefahren der aktuellen politischen Lage zu diskutieren, aber ebenso darin liegende Chancen und Visionen zu bewerten. Mit der Zielsetzung und dem Ehrgeiz, einen qualifizierten Austausch zu ermöglichen, startete die gemeinsame Arbeit mit einer Einführung in die Theorien der Internationalen Beziehungen und einem Faktencheck der aktuellen weltpolitischen Lage. Diese durch die Organisatoren des Sicherheitsdialoges Laurent Borzillo und Maximilian Losch angebotene Fundierung sollte sich für die kommenden Tage als hilfreich für die zahlreichen Diskussionen und wissenserweiternd für alle Teilnehmer herausstellen. Darüber hinaus bot die Einführung für alle mit nicht-politikwissenschaftlichem Hintergrund die Möglichkeit, sich mit dem Vokabular und der Materie der Theorien der Internationalen Beziehungen vertraut zu machen.

Die gemeinsame Zeit in der Theodor-Heuss-Akademie Gummersbach war ausgewogen gestaltet. Für Vorträge, produktive Gruppengespräche zu einzelnen Aspekten und Diskussionen im Plenum war Zeit eingeplant. Beispielsweise fand die historische Betrachtung der Beziehungen zwischen Russland und Europa seit dem Mauerfall Diskussionsraum in einem Gruppenworkshop. 03_1Auf der Basis von durch die Veranstalter vorausgewählten Quellen wurden fokale Punkte der 25-jährigen Beziehungen der beiden (politischen) Kontinente herausgearbeitet. Diese wurden dann zusammen mit den Ergebnissen anderer Arbeitsgruppen als Bausteine für das Verständnis der Krim-Krise aufbereitet.

Die von vielen wahrgenommene Gefahr einer dem Kalten Krieg ähnlichen Situation in der internationalen Politik fand Beachtung in einer hochkarätig besetzten Publikumsdiskussion mit den beiden Diplomaten a. D. Benoît d’Aboville und Fritjof von Nordenskjöld. Durch die langjährige Erfahrung dieser beiden Redner sprühte die Diskussion vor interessanten Fakten und großer Spannung. Die geschärften persönlichen Standpunkte und der Zugewinn an historischem und aktuellem Verständnis für die Europäische Russlandpolitik konnten abends in ungezwungener Atmosphäre bei einem Kamingespräch erneut informell ausgetauscht werden.

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Zu Beginn des letzten Teils der Konferenz wurde der Fokus der inhaltlichen Arbeit auf Chancen und Möglichkeiten zukünftiger russisch-europäischer Beziehungen gelegt. Dieser vorwärtsgewandte Blick und die Erarbeitung verschiedener Szenarien ermunterten die Teilnehmer, aktuelle politische Optionen im Umgang mit Russland in der Krim-Krise gedanklich auszuprobieren und zu bewerten. Abschluss fand die Konferenz thematisch genau in der Abwägung der Vor- und Nachteile kooperativer oder resoluter politischer Strategien im Umgang mit Putins Außenpolitik. Auf dem Podium wurden Positionen aneinander gegenübergestellt und mit Sachverstand und Sachkenntnis belegt. Besonders Alain Coldefy, französischer Marine-Admiral, bereicherte die Diskussion durch strategisch-militärischen Input in Bezug auf die aktuelle politische Lage.

04Der Deutsch-französische Sicherheitsdialog war meiner Wahrnehmung nach für alle Beteiligten ein bereicherndes Wochenende in angenehmer Atmosphäre. Die gute Organisation, die motivierten, an konstruktivem Austausch interessierten jungen Leute und die hochinteressanten Redner machten die Theodor-Heuss-Akademie Gummersbach an diesem Wochenende zu einem Ort des relevanten Austauschs und der politischen Meinungsbildung. Hierfür den Veranstaltern und Beteiligten herzlichen Dank.

Jan-Frieder Damm

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